Pastoralreferent*innen und andere Berufsgruppen

Die Deutsche Bischofskonferenz erhebt jährliche Eckdaten über die pastoralen Mitarbeiter*innen in der Pastoral. Der BVPR hat diese Angaben aufbereitet, um die Berufsgruppe der Pastoralreferent*innen im Zusammenwirken von Gemeindereferent*innen, Priestern und Diakone darzustellen.

Diese Daten präzisieren und aktualisieren die Angaben der "Berufsgruppensynopse" von 2017. Dabei kommentieren wir die statistischen Zahlen, um spezifische Merkmale der Pastoralreferent*innen darzustellen.

 

Quelle: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kontinuierliche jährliche Erhebung statistischer Eckdaten über Priester, Diakone und andere hauptamtliche Mitarbeiter/innen in der Pastoral 2020. Mai 2021 sowie frühere Erhebungen.

 


Anzahl der Pastoralreferent*innen in Deutschland

Grafik 1: Anzahl der Pastoralreferent*innen in den deutschen Bistümern.

 

Grafik 2: Anzahl der Pastoralreferent*innen in den deutschen Bistümern.

 

Pastoral- und Gemeindereferent*innen sind die einzigen Berufsgruppen mit Frauen

2020 waren 4426 Gemeindereferent*innen und 3244 Pastoralreferent*innen im pastoralen Dienst.

Die Pastoralreferent*innen starten anfangs vor 50 Jahren mit ausschließlich Männern. Anders die Gemeindereferent*innen, die bereits in den 1920er Jahren als Seelsorgshelferinnen begannen, damals ausschließlich Frauen.

 

Grafik 3: Anteil von Frauen in den Berufsgruppen

 

Vollzeit oder Teilzeit

Arbeiten Seelsorger*innen eigentlich 24/7?

Unabhängig von unterschiedlichen Erwartungen gelten für Seelsorger*innen auch die Bestimmungen von Wochenarbeitszeiten innerhalb einer 5 oder 6 Tage-Woche. Die hauptamtliche Beschäftigung ermöglicht daher die Möglichkeit einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung oder auch die Möglichkeit einer Freistellung (beispielsweise für ein Studium).

So gibt die DBK Statistik 2020 an, dass 4231 Gemeindereferent*innen und 3103 Pastoralreferent*innen im aktiven Dienst (ohne Freistellung) stehen. Die meisten arbeiten in Vollzeit, der Anteil der Teizeitbeschäftigung beträgt 31,15% für Gemeindereferent*innen und 24,49% für Pastoralreferent*innen.

 

Grafik 4: vollzeitbeschäftigte Pastoralreferent*innen nach Bistümern
Nicht dargestellt sind die Bistümer (Dresden-Meissen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg), in denen keine Pastoralreferent*innen beschäftigt sind.

 

Für die Berufsgruppe der Diakone ist bezeichnet, dass der überwiegende Anteil einem Zivilberuf nachgeht und in einer Teilzeitbeschäftigung seelsorgerlich arbeitet. Einige sind im Ruhestand tätig.

Die DBK Statistik 2020 nennt 3245 Diakone, von denen 1269 Diakone im Hauptberuf sind und 1976 mit Zivilberuf sind. Im aktiven Dienst sind 814 Diakone im Hauptberuf und 1327 Diakone im Zivilberuf.

 

Pastorale Berufsgruppen

Grafik 5: Pastorale Mitarbeiter*innen im aktiven Dienst

 

Grafik 6: Pastorale Mitarbeiter*innen im aktiven Dienst (prozentual zueinander)

 

Wer ist in der Gemeinde (territorial) tätig?

Grafik 7: Pastorale Mitarbeiter*innen im aktiven territorialen Dienst (prozentual zueinander)

 

Grafik 8: Pastorale Mitarbeiter*innen im aktiven territorialen Dienst (prozentual zur eigenen Berufsgruppe)

 

Während Gemeindereferent*innen ursprünglich ausschließlich im Gemeindedienst eingesetzt worden sind, hatten einige Bistümer Pastoralreferent*innen ursprünglich überwiegend in übergeordneten Bereichen eingesetzt. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. 1996 waren etwa 86% der Gemeindereferent*innen und 63% der Pastoralreferent*innen im Gemeindedienst tätig.

 

Wer ist in anderen Seelsorgebereichen (kategorial) tätig?

Grafik 9: Pastorale Mitarbeiter*innen im aktiven kategorialen Dienst (prozentual zueinander)

 

1610 Pastoralreferent*innen sind in kategorialen Tätigkeiten eingesetzt, das sind 51,89% aller PR. Dieser Anteil ist nach Bistümern unterschiedlich.

 

Grafik 10: Pastoralreferent*innen in kategorialen Tätigkeitsbereichen nach Bistümern.

Nicht dargestellt sind die Bistümer (Dresden-Meissen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg), in denen keine Pastoralreferent*innen beschäftigt sind.

 

Grafik 12: Pastoralreferent*innen in kategorialen Tätigkeitsbereichen nach Seelsorgebereichen.

 


Die Entwicklung der Pastoralreferent*innen

In der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils entstand der Beruf der Pastoralreferent*innen. 1971 wurden die ersten Männer ausgesandt. Der Name geht auf die Empfehlung der Würzburger Synode (1971 bis 1975) zurück. Seitdem wuchs die Berufsgruppe stetig an.

In den folgenden Grafiken lassen sich einige Entwicklungen visualisieren.

 

Grafik 13: Pastoralreferent*innen in den deutschen Bistümern 1990 bis 2020

Nicht dargestellt sind die Bistümer (Dresden-Meissen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg), in denen keine Pastoralreferent*innen beschäftigt sind.

 

Vor den 1990er Jahren haben sich Pastoralreferent*innen größtenteils mit höheren Zahlen in den Bistümern etabliert. 1994 kamen sie in Essen und 2020 in Paderborn hinzu.

Die Hamburger Linie beginnt 1995, weil im November 1994 das Erzbistum Hamburg errichtet worden ist aus Teilen des Bistums Osnabrück und dem Administrationsbezirk Schwerin.

In den Bistümern Dresden-Meissen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg werden Theolog*innen als Gemeindereferent*in beschäftigt. Die Berufsbezeichnung Pastoralreferent*in ist dort nicht gebräuchlich. Die jährlichen DBK Statistiken weisen jedoch in den 90er Jahren Pastoralreferent*innen aus für Dresden-Meissen 9 (1990), Erfurt 12 (1990) bzw. 6 (1991), Görlitz 1 (1990) bzw. 2 (1991-2002).

 

Einstellungsstops in der Vergangenheit

Die markanten Einbrüche in allen Bistümern zeigen Entwicklungsphasen an, in denen die Bistümer einen Einstellungsstop (2000-2005) verhängten, vielfach begründet mit Personaleinsparungen infolge der Finanzentwicklung. Mancherorts wurden damals Ausbildungszentren aufgelöst. Die längste dieser Phase vollzog sich im Bistum Hildesheim über 15 Jahre.

 

Bis etwa 2015 galt in vielen Bistümern auch ein gebremstes Wachstum, da sich die Anstellungsqoute von Pastoralreferent*innen an der Zahl der Priester orientierte. Mancherorts wurde als Richtwert kolportiert: 1/3 hauptamtliche Laien auf 2/3 Priester. Über lange Zeit herrschte die Befürchtung, hauptamtliche Laien würden die Notwendigkeit von Priestern verdrängen. Nachfolgende Grafik 14 veranschaulicht eine Relation von hauptamtliche Laien zur Anzahl von Priestern.

 

Pastoralreferent*innen haben ein hohes Durchschnittsalter

Die Altersstruktur der Pastoralreferent*innen weist auf eine Überalterung hin. Die Berufsgruppensynopse, die der BVPR 2017 veröffentlichte, gibt an: Der (die) Pastoralreferent*in "ist im März 1967 geboren und wird im Jahr 2034 in den Ruhestand gehen (bei angenommenen Rentanenalter von 67 Jahren). Genauere Angaben haben nur die Personalverwaltungen der Bistümer. Diese Angaben fließen nicht in die DBK Jahresstatistik ein.

So weisen die sinkenden Kurven der letzten Jahre hin auf das Ausscheiden von Pastoralreferent*innen in den Ruhestand.

 

Hauptamtliche Laien haben ein geistliches Amt

Grafik 14: Gemeinde- und Pastoralreferent*innen auf Priester 1990 bis 2020

Die DBK Jahresstatistik erhebt Verhältniszahlen der pastoralen Mitarbeiter*innen zu  je 100.000 Katholiken und zu je 100 aktive Priester.

Gemeinde- und Pastoralreferent*innen haben nicht nur ein statistisches Gewicht in der Pastoral der deutschen Bistümer, sie haben auch ein geistliches Amt inne nach can 145 CIC inne.

 

Darin sind sich viele kirchenrechtliche Kommentare einig. Jüngst verwies Sabine Demel in der Lebendigen Seelsorge 2021/4 darauf.

 

Nach Can 145 CIC ist ein Kirchenamt "jedweder Dienst, der durch göttliche oder kirchliche Anordnung auf Dauer eingerichtet ist und der Wahrnehmung eines geistlichen Zweckes dient. Pflichten und Rechte, die den einzelnen Kirchenämtern eigen sind, werden bestimmt entweder durch das Recht selbst, durch das Recht selbst, durch das ein Amt eingerichtet wird, oder durch Dekret der zuständigen Autorität, durch das es eingerichtet und zugleich übertragen wird."

 

Pastoral- und Gemeindereferent*innen werden vom Diözesanbischof beauftragt oder ausgesandt. Diese liturgische Feier wird mit einer Aussendungs- bzw. Beauftragungsurkunde beurkundet.

 


München, den 22.10.2021

Martin Holzner, 1. Vorsitzender BVPR