Gemeinsame Stellungnahme des Bundesverbands der Gemeindereferent:innen (BVGR) und des Berufsverbands der Pastoralreferent*innen (BVPR)
Indem der römische Liturgiepräfekt Arthur Roche das Anliegen der deutschen Kirche zurückweist, beauftragte Laien in der Messfeier die Predigt offiziell zu erlauben, stellt er sich einer heilsamen und bereichernden Vielfalt in den Weg. Die Laienpredigt wurde vom Synodalen Weg der deutschen Kirche mit einer beeindruckenden Zustimmung von 90 Prozent aller Synodalen und aller Bischöfe gefordert. Und das mit guten Gründen.
Es geht um eine dreifache Vielfalt: Wenn nicht ausschließlich Kleriker das Wort Gottes auslegen, bildet sich auch in der Messfeier die Vielfalt der Geschlechter ab. Der Blickwinkel von Frauen fehlt schmerzlich in der offiziellen Messliturgie. Für immer mehr Menschen ist dies inzwischen unerträglich, weil die Männerdominanz sie Sonntag für Sonntag verletzt.
Zweitens wird die Vielfalt der Ämter an zentralem Ort nicht sichtbar. Denn es geht ja nicht darum, dass alle Laien das Recht haben sollen, in der Messfeier zu predigen. Es geht um qualifizierte und vom Bischof beauftragte Personen, die den Verkündigungsdienst kirchenamtlich wahrnehmen. Sie sind z.B. als Gemeinde- und Pastoralreferent:innen vom Bischof zur Verkündigung beauftragt und gesendet. Dass sie in vielen Fällen Leitung in der Gemeinde wahrnehmen, kann sich nicht in der Feier dieser Gemeinde abbilden. Der Reichtum unterschiedlicher Ämter in unserer Kirche bleibt so verborgen.
Die dritte Leerstelle an Vielfalt besteht darin, dass die Vielfalt der Ortskirchen nicht ernst genommen wird. Die “heilsame Dezentralisierung”, von der Papst Franziskus gesprochen hat, wird hier - wieder einmal - nicht umgesetzt. Wir machen in Deutschland gute Erfahrungen mit beauftragten Laien, die auch in der Messfeier das Evangelium auslegen. Es besteht eine hohe Einigkeit beim Kirchenvolk wie bei den Bischöfen in dieser Frage. Die Qualität der Laienpredigten ist hoch, denn die Predigenden sind gut ausgebildet. Viele wirken in der Predigtausbildung der Priester mit oder schreiben Lesepredigten, die gerade Priester der Weltkirche gerne für ihre Homilie nutzen.
Als Berufsverbände treten wir für Qualität in der Pastoral ein. Gute Predigten nicht nur aus einer klerikalen Männerperspektive sind eine Bereicherung. Wir ermutigen die Bischöfe und Pfarrer, ebenso die beauftragten Frauen und Männer, die bisherige gute und oft selbstverständliche Praxis der Laienpredigt auch in der Messfeier weiterzuführen. Wir vertrauen darauf, dass auch weltkirchlich mehr Vielfalt möglich sein wird. Wir wissen: viele Gläubige weltweit setzen sich dafür ein. Darum lassen wir uns nicht entmutigen.
Bild: KI-generiert / canva.com
