15.11.20 - Zwischenruf zum Synodalen Weg

Transparenz und Unabhängigkeit

Mit einer Stellungnahme haben wir uns heute gemeinsam mit den GR-Synodalen in einem Brief an das Präsidium des Synodalen Wegs gewendet. Der Synodale Weg hat nur dann einen Sinn, wenn auch die Bemühungen der Bistümer, der Orden und der ganzen Kirche in Deutschland nach ehrlicher und schonungsloser Aufklärung ALLER Missbrauchsfälle erfolgreich und glaubwürdig verlaufen.
Die Ereignisse der letzten Wochen vor allem im Erzbistum Köln laufen dem aber gerade zuwider. Das Erzbistum ist mit dem Umgang der Aufklärung anscheinend vollständig überfordert. Medien und katholische Verbände berichteten davon, dass der Betroffenenbeirat instrumentalisiert wird und Opfer damit erneut missbraucht werden. Die Reaktionen der Öffentlichkeit sind verständlicher Weise vernichtend.
Wir rufen das Präsidium als Veranstalter des Synodalen Wegs auf, hier deutlich Stellung zu beziehen und fordern Verantwortung dafür ein, dass der Synodale Weg glaubwürdig weitergehen kann.

Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

Als Mitglieder der Synodalversammlung und hauptberuflich in der Kirche Tätige treten wir für eine transparente und von der Kirche unabhängig durchgeführte Aufklärung der Missbrauchsverbrechen ein. Dies gilt insbesondere für die Untersuchung ihrer systemischen Ursachen und die Verantwortung der kirchlichen Entscheidungsträger.


Anlass des Synodalen Wegs sind die Verbrechen durch sexualisierte Gewalt, ihre Vertuschung durch Verantwortliche und ihre in der MHG-Studie benannten systemischen Ursachen. Wenn durch die Ereignisse der letzten Wochen im Erzbistum Köln in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass Erkenntnisse unter Verschluss gehalten oder gar Betroffene benutzt werden, so schadet das fundamental dem Aufklärungsinteresse und der Glaubwürdigkeit des Synodalen Wegs. Dieser ist schließlich von den deutschen Bischöfen initiiert und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mitgetragen, um die systemischen Ursachen uneingeschränkt offen zu legen und Machtmissbrauch zukünftig zu verhindern.


Es ist darum an der Gemeinschaft der Bischöfe und des ZdK, darauf zu drängen, dass eine transparente Aufarbeitung im Erzbistum Köln geschieht, damit Vertrauen wiedergewonnen wird. Dass Studien durch Unabhängigkeit, Nennen von Namen und Klarheit in der ethischen Bewertung zum Wiederherstellen von Vertrauen beitragen, haben die Bistümer Aachen und Limburg bewiesen. Alle anderen Bistümer müssen baldmöglichst ihrem Beispiel folgen.


Beschämend empfinden wir, dass der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln offenbar als Feigenblatt missbraucht wurde. Nach dem Leid, das diesen Menschen schon durch Vertreter der Kirche zugefügt wurde, ist das ein absolutes No-Go.


Egal, wie gut oder schlecht die Kölner Studie der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl ist – wir können das mangels Veröffentlichung nicht beurteilen: Der einzige Weg aus der verfahrenen Situation ist aus unserer Sicht höchste Transparenz, also Veröffentlichung der Studie, und eine vom Erzbistum wirklich unabhängige, z.B. vom staatlichen Unabhängigen Beauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch verantwortete Untersuchung.


Wir sind dankbar für alle, die sich durch laute, öffentliche Kritik, hartnäckige Recherche und perönliches Engagement dafür einsetzen, dass Aufklärung gelingt, dass Entscheidungsträger zu ihrer Verantwortung und Schuld stehen und dass der Synodale Weg seine schwierige, aber notwendige Aufgabe erfüllen kann.


Wir setzen uns gemeinsam mit anderen mit Nachdruck dafür ein, dass sich die nächste Synodalversammlung ausführlich mit der Aufklärung der Verantwortlichkeiten beschäftigt, die die Missbrauchsverbrechen begünstigt haben. All dies ist ein sehr schmerzlicher Prozess. Er ist aber notwendig für den Auftrag des Synodalen Wegs zur Evangelisierung. Eine Kirche, die in ihren eigenen Strukturen ein Evangelisierungshindernis darstellt, braucht dringend strukturelle Veränderung. Strukturfragen reflektieren Glaubensinhalte – oder sie sind nicht evangeliumsgemäß.


15. November 2020
Konstantin Bischoff, Esther Göbel, Marcus Schuck, Susanne Schuhmacher-Godemann
(Berufsverband der Pastoralreferent*innen Deutschlands e.V.)

Sarah Henschke, Michaela Labudda, Hubertus Lürbke, Regina Nagel, Marie-Simone Scholz
(Bundesverband der Gemeindereferent/-innen Deutschlands e.V.